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Feng Shui
Das persönliche Umfeld
hilft, Harmonie und Glück zu erreichen. Konfuzius war ein Wegbereiter der
chinesischen Kunst des Wohnens, die in Europa Furore macht
"Feng Shui fängt mit aufräumen an", verkündet Sabine Kriete-Neumann mit Nachdruck. Kistenweise wuchtete die zierliche Frau aus Bergisch Gladbach "Kruscht" aus verborgenen Ecken ihres Kellers. "Das Telefon hatte ich immer dabei", sagte die Leiterin der Geschäftsstelle des "Internationalen Forum: Feng Shui e.V." in Deutschland, das Büro sollte besetzt sein. "Aber ich spürte sehr direkt, wieviel Energie durch dieses Ausmisten energetischer Altlasten in unserem Haus freigesetzt wurde.
"Sabine Kriete-Neumann, 38, ist eigentlich Neuling auf dem Gebiet der chinesischen Wohnphilosophie. Vor drei Jahren hörte sie von der uralten chinesischen Lehre über die Wirkung der nächsten Umwelt auf den Menschen und entschied für sich selbst: "Das ist es!" Das Haus, die Umgebung, Ausblick und Nachbargebäude, Farben und Formen der Raumausstattung beeinflussen das Wohlbefinden auf vielfältige Weise.
Das ist die Grundthese des Feng Shui, "Wind und Wasser", einer Lehre, die sich in ihrem Ursprungsland China mehr als 5000 Jahre zurückverfolgen läßt. Konfuzius war einer ihrer Wegbereiter. Selbst die Verbotene Stadt oder die Chinesische Mauer entstanden nicht ohne Einbeziehung der Feng-Shui-Berater, die gleichzeitig mit ihre Weisheit einen der acht Teilbereiche der Ttraditionellen Chinesischen Medizin vertreten. Feng Shui wird nicht nur die Vervollkommnung der seelischen Harmonie nachgesagt, sondern auch eine therapeutische Wirkung auf körperliches Unwohlsein.
Kristalle leiten nach der
Lehre des Feng Shui durch ihr Lichtspiel Energie in den Raum.
Kriete-Neumann machte sich auf die Suche nach dem richtigen Lehrer - und fand Lothar Baier, 45, früher Zimmermann und Stukkateur. Beginnt er zu erzählen, beeindruckt er durch tiefes Wissen und eine "Authentizität", die, so Kriete-Neumann, "einen guten Feng-Shui-Berater von einem schlechten unterscheidet."
Lothar Baier wurde 1984 sehr krank, selbst in Uni-Kliniken fand er keine Heilung. Ein Arzt, der auch dir Traditionelle Chinesische Medizin praktizierte, riet ihm zur Veränderung seiner Wohnung. "Als ich damit fertig wurde, waren die Krankheitssymptome verschwunden." In der Folge machte er sich auf die Suche nach einer Wissenschaft, die damals in Hongkong oder von den Exilchinesen in Amerika gelehrt wurde. Seine Beharrlichkeit führte zum Ziel: Einige Feng-Shui-Meister ließen sich über die Schulter schauen. Nach vielen teuren und langen Asienreisen ist Lothar Baier heute stolz darauf, daß seine Telefonnummer genannt wird, wenn sich Interessierte bei der chinesischen Botschaft nach einem Feng-Shui-Fachmann erkundigen. "Selten, daß eine Langnase in einem so traditionsreichen Bereich akzeptiert wird."
Schon bevor Baier ein Haus betritt, beginnt er mit der Arbeit. Den Kompaß in der Hand, lotet er die Lage des Gebäudes aus, entscheidet, daß das zartgelbe Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert ein "Li-Haus" ist, ein "Feuer-Haus". "Schwierig, aber auch spannend", urteilt er, wenn die Bewohner alle miteinander aus dem Element des Holzes kommen, vom Feuer also ständig verbrannt werden.
Bei der Besichtigung des Inneren zeigt sich der seit zwei Jahren hauptberufliche Feng-Shui-Berater als Profi. Bei einem ersten Durchgang hält er kaum einmal inne, doch registriert er, das zeigt eine später angefertigte Grundrißskizze, jedes Detail. Besonderes Augenmerk gilt dem Fluß des "Chi", Ein Vergleich mit Lichtwellen wäre hier vielleicht der beste Vergleich für den geheimnisvollen Energiestrom. Wo fließt er zu schnell, wo ineffektiv, wovon wird er gebremst oder falsch geleitet?
Eine intensive Betrachtung beginnt dann mit der Berechnung astrologischer Daten. Es ist die Überzeugung der Feng-Shui-Berater, aus den Geburtsdaten mit Hilfe der überlieferten chinesischen Tabellen viel über den "energetischen Zustand" und die Persönlichkeit eines Menschen herauslesen zu können. Um diese individuelle Energie beschreiben zu können, bedient sich Feng Shui der Fünf Elemente: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind Symbole, die gleichzeitig einen natürlichen Kreislauf verdeutlichen. So nährt Holz das Feuer, seine Asche die Erde, aus ihr kommt das Metall, das auch in einen flüssigen Zustand übergehen kann.
Mit dieser Symbolik vertraut gemacht, kann auch der Laie nachvollziehen, was in der Umgebung fehlt oder zu dominant ist, um das ganz persönliche Gefühl der Entspannung und Harmonie zu finden. Wer beispielsweise ein "Holzhund" ist, wer gleichzeitig nach seinen astrologischen Daten durch das energetische Ziel "Metall" geprägt ist, braucht ganz dringend die "Erde" als Zwischenphase. Innenarchitektonisch umgesetzt fühlt sich so ein Mensch in Gelb- und Erdtöne und mit eher niedrigen Möbeln wohl. "Am besten würde sich so jemand wohl in einer Blockhütte fühlen", schmunzelt Baier. Aber die Radikalkur ist seine Methode nicht. Im Gegenteil, Baier wie auch Sabine Kriete-Neumann bemühen sich stets um die schlichte Lösung. Um das Entweichen der Energie aus einem Fenster zu verhindern, das am Ende eines langen Flures energetisch ungünstig gelegen ist, könnte ein asiatische Windspiel Abhilfe schaffen. Für beide Berater aber reicht zur Reflexion der Energie auch der Wasserkocher aus Edelstahl. "Eine Wohnung muß nach der Beratung nicht aussehen wie ein Museum für ostasiatische Kunst", wehrt Baier ab. Auch seine Schülerin macht deutlich: "Feng Shui ist nicht ZSchöner WohnenZ."
Der Energiestrom Chi muß ungehindert fließen,
um in einem Gebäude Wohlbefinden zu erreichen. Wie bei der Akupunktur versuchen
Feng-Shui-Berater, Störstellen aufzufinden. Angenehme Farben, Pflanzen,
Holz und harmonische Plazierung von Möbeln helfen - wie bei diesem Bad
als Rückzugsort
In Asien ist es gang und gäbe, in Europa passiert es meist nur hinter der vorgehaltenen Hand: Feng Shui als Unternehmensberatung. Es ist eine Rarität, die Verwandlung eines Geschäftsraumes nach Feng Shui miterleben zu dürfen: Ingrid Globisch aus Bergisch Gladbach ist ganz offen, wenn es um den Umbau ihrer Buchhandlung geht. Seit einiger Zeit arbeitet die Geschäftsfrau mit Sabine Kriete-Neumann und Lothar Baier an einem Einrichtungskonzept. "Hier geht es nicht um individuelles Feng Shui, sondern darum, für Jedermann eine Atmosphäre des Wohlbehagens zu schaffen", erklärt Baier. "Wie von einem Kundenstaubsauger gezogen" soll der eintretende Mensch das Gefühl haben, gerne zu verweilen. Viel zu sehr stünde heute die Funktionalität eines Raumes an erster Stelle. "Maximale Wirtschaftlichkeit bei minimalem Einsatz", erregt sich Baier: "Dabei sollte der Mensch Maßstab für die Norm sein."
Popstars, Banken und angeblich sogar US-Präsident
Bill Clinton vertrauen sich der Philosophie des Feng Shui an. Die Buchhandlung
Globisch in Bergisch Gladbach wird derzeit nach diesen Kriterien umgestaltet.
Feng Shui ist groß im Kommen. Anwaltspraxen oder Werbeagenturen wurden danach eingerichtet. Auch Popstar Boy George hat sein Landhaus in England nach Feng-Shui-Regeln eingerichtet. Und der Buchmarkt boomt. "Vor zehn Jahren gab es kein Buch zum Thema, vor drei Jahren zehn und jetzt sind es ungezählte", weiß Lothar Baier. Eine Qualitätssicherung ist schwierig in einem Bereich, für den es keinen Ausbildungsstandard gibt. Deshalb ist Baier Mitbegründer des Vereins "Internationales Forum: Feng Shui e.V.", mit Geschäftssitzen in Berlin in Bergisch Gladbach, dessen Mitglieder eine intensive Ausbildung vorweisen müssen. Aus- und Weiterbildungsseminare werden hier angeboten.
Lothar Baier berät auf der ganzen Welt,
als "erstaunlichste Erfahrung vielleicht" sogar in Japan, wo er als
Deutscher den Chinesen vorgezogen worden war. Trotzdem ist er seinem Konzept
stets treu. "Was ich brauche, paßt in einen Koffer", sagt er
unkompliziert. Sabine Kriete-Neumann arbeitet mit Vehemenz im Bergischen Land:
nicht nur an ihrer Einrichtung, die sich wie die eigene Persönlichkeit
im steten Wandel befindet. "Für mich ist die Verbreitung des Feng
Shui ein Auftrag."